Transportwege des Erdöls - Gefahren




 
Gigantische Ölpest durch Pipelines
 
Ein großer Teil des russischen Rohöls, das nach Deutschland exportiert wird, kommt über die »Druschba-Pipeline« (Pipeline der Freundschaft) zu den Raffinerien Schwedt und Leuna. Insgesamt rund 20 Millionen Tonnen russischen Öls gelangen auf diesem Weg in den Westen. Pro Stunde fließen etwa 1.000 Tonnen Rohöl, das heißt jährlich rund 10 Millionen Tonnen, aus der russischen Pipeline in das Werk bei Leipzig.
 
Doch was anschließend »sauber« in die Tanks von Autos, Flugzeugen und Häusern fließt, ist begleitet von einer gigantischen Ölpest in Russland. Allein in den westsibirischen Ölförder-regionen, wo der größte Teil des Erdöls für die Raffinerie in Leuna und Schwedt gefördert wird, treten pro Jahr bs zu 5.000 Brüche von Ölpipelines auf. Auslaufendes Öl (schätzungsweise drei bis zehn Millionen Tonnen jährlich) verseucht Böden und Gewässer. Riesige Ölseen zerstören den Lebensraum von Menschen. Tieren und Pflanzen.
 
Von den bestehenden Pipelines sind etwa ein Drittel über 30 Jahre alt und längst reparaturbedürftig. Doch es passiert so gut wie nichts. Auch die einheimische Bevölkerung leidet zunehmend unter der Ölverschmutzung ... Mehrere Millionen Hektar Rentierweide sind bereits durch das Öl vernichtet, Wasser und Nahrungsmittel verseucht. Die Luft ist durch das Gasabfackeln belastet. Das dabei freiwerdende krebserregende Benzpyren überschreitet vielerorts die zulässigen Grenzwerte ...
 
[Quelle:  aus der Zeitschrift W&F Wissenschaft und Frieden, 3/2001 Juli, 19.Jahrgang, S.55 ff]


  
Aufgaben
  
1.Der obenstehende Text informiert über Vorkommnisse beim Öltransport in Pipelines in Russland. Fasse die wichtigsten Fakten in wenigen Sätzen zusammen.
       
2.Ermittle die wichtigsten Rohöllieferländer Deutschlands. Stelle diese in einem Schaubild oder einer Tabelle zusammen.
             
3.Verfolge die Transportwege des Rohöls von der Quelle zum Verbraucher und untersuche etwaige Transportrisiken.
 

 
[Quelle: Exxon-Mobil-AG, Hamburg]
 




         
Havarie des Öltankers ´Prestige´ vor der Küste Spaniens 2002.
 
 

         
Luftaufnahme eines von Öl ver- seuchten Strandabschnitts.


         
Einer der schwersten Unfälle eines Öltankers in Europa war die Havarie der ´Amoco Cadiz´ 1978 vor der französischen Küste, bei der 223.000 Tonnen Öl ins Meer gelangten und 200 km Strand verseucht wurden.
Bei dem Unglück starben etwa 15.000 Seevögel. Der Gesamt-schaden belief sich auf 115 Millionen Euro.

1989 wurde die Katastrophe der ´Amoco Cadiz´ durch die Havarie der ´Exxon Valdez´ noch über-troffen. Der Tanker havarierte vor der Küste Alaskas, die dabei auf einer Länge von 2400 km mit Öl verseucht wurde.
      

 
Ölpest durch Tankerunfälle - Schwarzes Gold und schwarzes Gift

    
Erdöl ist nicht nur ein wertvoller Rohstoff – es ist auch ein Gemisch von Gefahrenstoffen. Gesundheitsgefährdende, teils sogar Krebs erregende Verbindungen aus Kohlenstoff und Wasserstoff sind darin enthalten: zum Beispiel so genannte "polyzyklische Aromaten" oder Substanzen wie Benzol oder Naphtalin.
    
Etwa 1,3 Millionen Tonnen Erdölkohlenwasserstoffe landen jedes Jahr im Meer – das meiste durch beständige, schleichende Verschmutzung durch die Flüsse oder durch ganz normalen Schiffsbetrieb.
    
Etwa 100.000 Tonnen laufen jedoch jährlich bei Tankerunfällen aus. Die Folgen für die Meeresumwelt sind bei solch einem Unfall katastrophal.
 
Tankerkatastrophen
    
Für viel Aufsehen sorgen die immer häufiger werdenden Unfälle von Öltransportern auf den Weltmeeren. Zwar beeinträchtigen sie jeweils "nur" bestimmte Meeresabschnitte oder Küstenregionen, dafür aber in erheblichem Maße.
    
Öltankerunfälle zwischen 1983 und 2002:

Jahr
    
Name Alter Ort Menge in t
1983 Castillo de Beliver 5 Saldanha Bay, Südafrika 257.000
1985 Nova 10 Iran 70.000
1988 Odyssey 16 700 sm östlich von Novia Scotia, Kanada 132.000
1989 Khark 5 15 120 sm westlich von Marokko  80.000
1989 Exxon Valdez 4 Prince William Sound, Alaska 42.000
1991 ABT Summer 15 700 sm westlich von Angola 260.000
1991 Haven 18 Genua, Italien 140.000
1992 Aegean Sea 19 La Coruña, Spanien 72.000
1992 Katina P 26 Maputo, Mozambique 72.000
1993 Braer 18 Shetland Inseln, Großbritannien 85.000
1996 Sea Empress 3 Milford Haven, Großbritannien 70.000
1997 Nachodka 27 Japanisches Meer, Japan 20.000
1999 Erika 24 Golf von Biskaya, Atlantik 17.000
2001 Jessica 30 San Cristobal, Galapagos Inseln ca 800
2002 Prestige 26 Iberisches Becken, Atlantik 77.000

Ursachen der Tankerunfälle:
 
1. Das Alter der Tanker
      
55% der Öltanker sind über 15 Jahre alt. Dieses erhöht die Verlustrate von Öl. Bei den 5-9 jährigen Schiffen rechnet man mit einer Verlustrate von 0,1%, bei den 20-24 jährigen Schiffen hingegen wird mit einer Verlustrate von fast 1% gerechnet.
 
2. Einfache Bordwand
    
Durch eine einfache Bordwand können bei einem Schiffsunfall Stoffe viel schneller austreten.
 
3. Die enorme Größe der Tankschiffe
    
Die enorme Größe eines Tankerschiffes kann dem Kapitän unter schwierigen Bedingungen zum Verhängnis werden. Bei Nebel kann er z.B. von der Brücke aus den Bug nicht sehen.
 
4. Die sogenannten ´Billigflaggen´
    
Etwa ein Fünftel aller weltweit eingesetzten Schiffe fahren unter Billigflagge. Durch niedrige Löhne und nicht so strenge Vorschriften lassen Reedereien ihre Schiffe bevorzugt in Entwicklungsländern registrieren (z.B. in Liberia und Panama ist 1/3 der gesamten Welttankerflotte registriert). Hierbei spielt auch die mangelnde Ausbildung der Matrosen eine Rolle. Öltanker werden immer häufiger von Besatzungen verschiedener Nationen gesteuert, die im Brandfall kaum in der Lage sind, einander zuzurufen, wo der nächste Feuerlöscher hängt. 1995 fuhren mehr als die Hälfte aller untergegangenen Schiffe unter Billigflagge. Kennzeichnend für solche Schiffe sind die schlechten Arbeitsbedingungen und mangelnde Sicherheitsvorkehrungen.
    
Tanker sind speziell für flüssiges Frachtgut konstruiert, meist für Mineralöl. Sie haben die Möglichkeit, Millionen von Tonnen zu transportieren. Ein sehr großes Problem dieser Riesentanker sind dagegen schwerste Umweltschäden, die sie verursachen, wenn sie aufgrund von Kollisionen, Sturmschäden oder menschlichem Versagen auflaufen oder leckschlagen und das Öl ausläuft.
 
5. Schiffe ohne Doppelhülle
    
Öltanker transportieren jährlich knapp zwei Milliarden Tonnen Rohöl und Ölprodukte über die Weltmeere. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Katastrophen. Viele Tankerunfälle haben gerade deshalb verheerende Folgen, weil die betroffenen Schiffe über nur eine Außenhülle verfügen. Eine zweite Schiffswand kann bei Unfällen oft das Austreten größerer Ölmengen verhindern.
    
Im Frühjahr 2001 beschloss die "International Maritime Organisation" (IMO) endgültig, dass in Zukunft nur noch Doppelhüllentanker gebaut werden dürfen. Bis 2015 sollen Einhüllentanker von den Meeren verschwunden sein. Auch die USA haben festgelegt, ab 2015 nur noch Doppelhüllentanker in ihre Häfen zu lassen. Genau den gleichen Zeitraum peilt die Europäische Union an. Ab 2002 sollen Einhüllentanker schrittweise aus dem Verkehr gezogen werden. Ein erster Hoffnungsschimmer für die Zukunft unserer Meere.